Dieser Artikel erschien im Original im LW-Hessenbauer 46/2025 vom 13.11.2025

Traditionell am ersten Donnerstag im November kamen junge Landwirte und Landwirtinnen zum Jungunternehmertag (JUT) ins TaunusTagungsHotel nach Friedrichsdorf. Die Veranstaltung war mit 35 Teilnehmenden gut besucht. In diesem Jahr wurde das Thema „Betriebe leiten durch Kompetenz“ in Vorträgen und einem Erfahrungsbericht behandelt.
„Was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus? Was passt zu mir? Wo gibt es Stellschrauben, um noch mehr aus meinem Betrieb herauszuholen?“ Mit diesen Fragestellungen werde sich der Jungunternehmertag beschäftigen, stellte der Moderator der Veranstaltung, Agrarsprecher Maximilian Becker, vor. Der JUT sei erneut in Kooperation organisiert worden von dem Hessischen Bauernverband (HBV), der Hessischen Landjugend (HLJ), dem Landesverband Hessen für landwirtschaftliche Fortbildung (vlf) und der Hessischen Landvolk-Hochschule.
Sich vernetzen und mitwirken
Grußworte überbrachten HBV-Vizepräsident Stefan Schneider, Lars Döppner vom vlf-Vorstand und Sophia Schäfer vom HLJ-Vorstand. Schneider hob hervor, dass der HBV ein Verband für Jung und Alt sei. Gerade habe der HBV mit „HBVnext“ eine neue Plattform ins Leben gerufen, die für den Austausch, die Vernetzung und die Zukunftsgestaltung junger Landwirtinnen und Landwirte in Hessen stehe. „Machen Sie dort gerne mit! Es geht darum, die nächste Generation in der Landwirtschaft zu stärken, neue Impulse zu setzen und gemeinsam die Zukunft des Berufsstands aktiv mitzugestalten“, forderte Schneider auf.
Döppner stellte in seinem Grußwort fest, dass die Betriebsleiterkompetenz nicht nur betriebliches Vorankommen sowie die Tier- und Pflanzengesundheit ausmache, sondern „Sie müssen Mitarbeiter führen und delegieren können, Verhandlungen mit Banken und Pächtern sowie Vorstellungsgespräche führen.“ Außerdem seien Landwirte oft der Kitt im Dorf und brächten sich in Ehrenämtern für die Gesellschaft ein. „Machen Sie mit! Man kann gemeinsam im Verband oder in der Kommune viel erreichen“, rief Döppner den Junglandwirten und Junglandwirtinnen zu.
„Landwirte stehen heute vor sehr vielen Herausforderungen“, betonte Schäfer in ihrer Begrüßung. „Es ist daher wichtig, dass junge Betriebsleitende nicht nur fachlich gut ausgebildet sind, sondern auch über weitere Kompetenzen verfügen, wie unternehmerisches Handeln, Innovationsgestaltung und Führungsstärke.“
Fragen zur Betriebsleiterführung
Mit Fragen wie „Welches Unternehmen passt zu mir?“ „Was muss ein junger Mensch mitbringen, um ein guter Unternehmer zu sein?“ „Was möchte ich im Unternehmen voranbringen oder verändern?“ bis hin zur Frage: „Was ist Ihr Ausgleich?“, lieferte Martin Mees vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen den Junglandwirten in seinem Vortrag die Möglichkeit, ihre persönlichen Antworten zu finden. „Als Betriebsleiter müssen Sie viele Entscheidungen treffen. Dafür benötigen Sie nicht nur fachliches Wissen, sondern auch ein gutes Bauchgefühl, zuhören zu können und einen guten Umgang in Bezug auf Fehler, die natürlicherweise immer mal passieren. Sie sollten Ziele haben und Prioritäten setzen können!“, zählte Mees auf. „Wie fühlen Sie sich dabei? Was für ein Mensch sind Sie? Schauen Sie nicht auf die Nachbarn, denn jeder ist anders!“, riet der Referent.
Um das passende Unternehmen für sich zu finden, seien das Alter, die Persönlichkeit, der Familienstand, die Ausbildung und auch das soziale Umfeld mit ausschlaggebend. „Was ist Ihnen nach dem Einstieg wichtig?“, fragte Mees. Möglich sei, sich abgrenzen oder Stärke zeigen zu wollen. „Vielleicht wollen Sie der Schule und dem Altenteil beweisen, was Sie können. Oder ist Ihr Motivator, dass Sie ernst genommen werden und Sicherheit finden wollen? Ist Ihnen wichtig, etwas ganz Neues anzugehen?“ Jeder Betriebsleiter motiviere sich auf seine Art für das Unternehmen. Als weitere Beispiele nannte Mees finanziellen Erfolg, Vermögensaufbau, Wachstum, Status („beispielsweise neue Geräte und Technik“), etwas gestalten oder erschaffen wollen („ein Carport am Wochenende“), Menschen führen, Traditionen bewahren, Abgrenzen von Bestehendem. Nicht förderlich sei, wenn ständig gesagt werde: Es muss weitergehen! Oder: Die Arbeit muss gemacht werden! „Das kann langfristig kein Motivator sein“, gab der Referent zu bedenken.
Eine weitere wichtige Frage, die man sich stellen solle, sei: „Wie kann ich mit Misserfolgen und Druck umgehen?“ Dauere es stets zu lange, bis man sich von Misserfolgen oder Druck erholt habe, habe man gegebenenfalls die falsche Wahl getroffen und sollte über Veränderungen nachdenken, die für Abhilfe sorgen können. „Erfahren Sie viel über sich selbst! Lassen Sie sich gut ausbilden! Bleibe Sie sich treu! Werden Sie erfolgreich und lernen Sie damit umzugehen, dass immer jemand besser ist als Sie!“, gab Mees den Junglandwirten mit auf den Weg.
Betriebsstrategie und Persönlichkeit
Mit dem Vortragsthema „Betriebsstrategie und Persönlichkeit“ befasste sich Dr. Reinhard Grandtke, Honorarprofessor an der Justus-Liebig-Universität und Partner der Upgrade Organisationsentwicklungspartner GbR. „Landwirt zu sein, ist Beruf und Berufung“, stellte der Referent fest. Wo würde es das geben, dass man sein eigener Chef und selbstständig sei, die Ausrichtung des Unternehmens bestimmen und mit neuesten Technologien arbeiten könne, immer in und mit der Natur arbeite, sich die Arbeitszeit frei einteilen und nah bei der Familie sein könne? Zukunfts-Optimisten würden sich an erster Stelle mit Verkaufspreisen für pflanzliche oder tierische Erzeugnisse auseinandersetzen. „Agrarpolitische Einflussnahmen nennen die Optimisten erst später. Bei den Zukunfts-Pessimisten steht hingegen die Agrarpolitik als Schuldiger für alles an erster Stelle“, informierte Grandtke über Ergebnisse des Situationsberichts des Deutschen Bauernverbandes. „Glauben Sie an das, was Sie selbst gestalten können!“, riet der Referent. „Das ist Ihre Zukunft.“
Als Landwirt wolle man Gewinne machen. Man müsse auch bereit sein, mit Schwankungen umgehen zu können. „Erfolg ist sexy. Reden Sie über Ihre Erfolge! Und falls es etwas zu beklagen gibt, dann lerne klagen, ohne zu leiden!“, so Grandtke.
Es gelte, Strategien für den Betrieb zu entwickeln, abhängig von Interessen, Stärken und auch Schwächen. Ebenso sei der Standort wichtig, ob Wettbewerber, Abnehmer, Ersatzprodukte, Zulieferer, Geschäftspartner da seien. „Fragen Sie sich, wo Sie in fünf, zehn, 15 Jahren stehen wollen! Wo liegen die zukünftigen Potenziale? Was können Sie kombinieren? Wo sind Alternativen? Wo sind Märkte, Kooperationspartner? Was muss ich aufgeben oder verändern, da es in bestehender Form unrentabel ist? Kurz: Fragen Sie sich immer, wo Sie Kostenführerschaft kriegen!“, empfahl der Referent.
Zu den Unternehmerkompetenzen zähle Verhandlungsgeschick, gute Berater zu haben sowie Kooperationsfähigkeit. Auch das Erkennen neuer Geschäftsfelder gehöre dazu. „Strategische Prozesse sollten Sie beherrschen, ebenso wie die saubere Kalkulation. Schließlich wollen Sie mit der nachhaltigen Bewirtschaftung Ihres Betriebes Geld verdienen“, so Grandtke.
Bei der Aufzählung der persönlichen Kompetenzen riet er, mutig, aber nicht leichtsinnig zu sein, selbstbewusst, aber nicht überheblich. „Sie sollten zuhören können und Spaß an Entscheidungen haben. Seien Sie bereit, Ihr Handeln und Auftreten zu hinterfragen! Nehmen Sie Kritik und Lob an, um daraus für die Zukunft zu lernen. Unternehmer zu sein, bedeutet auch eine kontinuierliche Persönlichkeitsentwicklung“, stellte Grandtke fest. Außerdem benötige man heute digitale Kompetenzen.
Gute Führungskompetenz besitze derjenige, der seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe begegne, Aufgaben und Verantwortungen delegieren sowie gerechtes Feedback geben könne, den Mitarbeitern Vertrauen schenke, den Arbeitsplatz attraktiv gestalte und die Begeisterung für die Landwirtschaft vorlebe.
„Zur Marktkompetenz zählt, dass Sie das Umfeld kennen, Risiken minimieren, Bestehendes hinterfragen, aktuelle Entwicklungen einschätzen, Netzwerke bauen und sowohl mit der Gesellschaft, den Marktpartnern als auch den Kunden kommunizieren“, zählte der Referent auf. Hinzu komme die Managementkompetenz. „Mit einer guten Gesamtbetriebs- und Büroorganisation sowie der Organisation des Netzwerkes machen Sie Ihren Betrieb steuerbar. Hören Sie nie auf zu lernen! Bleiben Sie mutig und neugierig!“, so Grandtke.
Erfahrungsbericht eines Jungunternehmers
Junglandwirt Christoph Schäfer informierte in seinem Erfahrungsbericht über den Familienbetrieb in Dipperz-Külos: Seit 1,5 Jahren führe er den Milchviehbetrieb gemeinsam mit seinem Vater Winfried in einer GbR. „Wir halten 145 Milchkühe mit Nachzucht und 100 Hühner. Unser Familienbetrieb hat 70 ha Grünland und 40 ha Ackerland. Wir haben einen Auszubildenden. Meine beiden Schwestern helfen auch immer mit“, so Schäfer. Er sei mit Stolz Jungunternehmer und Milchviehhalter. Nach landwirtschaftlicher Lehre, Technikerschule, der Ausbildung zum DLG-Herdenmanager und der Jungunternehmerqualifikation der HLJ befinde er sich derzeit im bus-Unternehmertraining der Andreas Hermes Akademie. „Wir wollen die Zukunft gestalten. Dabei sollte jeder das tun, was er gut kann. Bringt euch mit ein! Bildet euch fort! Das zahlt sich aus“, forderte Schäfer seine jungen Berufskollegen auf. In seiner Familie würden sich alle ehrenamtlich engagieren. Das benötige Absprachen und Flexibilität, „aber das ist gerade in unserem Alter alles gut machbar“, so der Junglandwirt.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde festgehalten, dass Veränderungen auf dem eigenen Betrieb sowie bei sich selbst stattfinden sollten – nicht im Vergleich zu anderen. In Bezug auf die Arbeitsmotivation würden schon kleine Änderungen in den Formulierungen helfen. „Statt: Ich muss morgens um 6 Uhr die Kühe melken!, sollte man formulieren: Ich darf morgens um 6 Uhr die Kühe melken!“, nannte Junglandwirt Schäfer ein Beispiel.
Abschließend konnten die Informationen, Tipps und motivierenden Worte der Referenten und Grußwortredner bei einem gemeinsamen Abendessen diskutiert werden. Es gab Gelegenheit für weiteren fachlichen und persönlichen Austausch. SL
Text: Dieser Artikel erschien im Original im LW-Hessenbauer 46/2025 vom 13.11.2025 (ET)
Bild: Stephanie Lehmkühler